Motivation

Im Original hat die Optima 92 eine hydraulische Ruderanlage. Bei unserem Schiff war diese von Anfang an ein Problem. Einerseits ist die Rückmeldung ausgesprochen gering - was beim Segeln ja sehr störend ist. Anderseits gab es ein großes Spiel und teilweise kontte man das Rad am Anschlag sogar weiterdrehen...

Nach mehreren Jahren "Bastelei" (inklusive Austausch der Hydraulik-Pumpe) hatten wir uns entschlossen, die Hydraulik rauszuwerfen und auf eine Seilzugsteuerung umzubauen. Insgesamt ein voller Erfolg (hätten wir das doch gleich gemacht...). Die Arbeiten waren am Ende weniger aufwendig als gedacht (und auch der Kostenaufwand war erträglich). Im Ergebnis haben wir jetzt ein präzise arbeitendes Ruder, bei dem man endlich auch eine Rückmeldung beim Segeln bekommt. Auf dieser Seite möchte ich einige Details zum Umbau beschreiben, da es ja vielleicht noch weitere Optima Eigner gibt, die etwas Ähnliches vorhaben. Falls jemand daran Interesse hat kann ich auch gerne Fragen per Mail beantworten.

Schritte

Die anlage ist ganz "klassisch" aufgebaut: Oben ein Zahnkranz (11Z) der auf der Welle vom rad sitzt, darauf läuft eine Kette, an diese sind 2 Drahtseile angeschäkelt. Diese laufen (gekreuzt) über Umlenkrollen (unter der Steuersäule) auf den Quadranten, der auf der Ruderwelle sitzt (dort mit Nut+Feder+Klemmung fest).

Der Umbau bestand bei mir aus den folgenden Schritten:

  1. Unten Pumpe+"Käfig"+Zylinder 'raus
  2. Ruder ausgebaut, in den Schaft eine Nut (für eine Nut-Feder-Verbindung zum Quadranten) fräsen lassen (brauchte bei mir ca. 10-15cm Luft "in die Erde" - also vielleicht 30cm unter Kiel - auf unserem Lagerplatz ging das mit dem Spaten..., Talje unter dem Ruder durch an die Rumpfseiten - dann geht es sogar alleine).
  3. bei der Gelegenheit gleich noch Lager ausgetauscht (gibt's ja in Großenbrode)
  4. Teile besorgt (siehe unten: Umlenkrolle "Idler" gekreuzt + Quadrant - wird auf Ruderwelle gefertigt, Seil+Kette+Klemmen)
  5. unten Holzmodell für neuen Käfig gebaut (etwas breiter, damit Rollen reinpassen aber nach oben die passenden Löcher für die alte Säule), danach dann neuen Käfig bauen lassen (Stahl + verzinkt)
  6. Oben: Zankranz mit 11 Zähnen - dafür dann ein kleines Zwischenstück drehen lassen, das auf die alte Welle paßt
    Hier könnte man ggf. auch auf 13 Zähne gehen - ich hatte 11 gewählt, damit man am Ende wieder auf die gleichen Umdrehungen am Rad kommt. Darauf kommt dann ein Stück Kette (siehe Stückliste unten), an das das Seil angeschäkelt wird.
  7. alles zusammenbauen

Details

1. Teile bestellt bei Lankhorst-Hohorst (Teile Lewmar) - Summe ~630,- €
Wegen des Quadranten muß man anfragen/sich abstimmen - Ruderwelle ist D=50mm
1       89100015       IDLER CWI 100MM CLASSIC - die Umlenkrollen

1       89100717       SPKT ANSI50 11T KEYWAY + SCREW - das Ritzel für oben

1       89100090       CHAIN KIT ANSI50<305 QUAD 41 C - die Kette

?       89100077       WIRE SS 7 X 19 5MM     in total 5 mtr - Draht

6       89100075       89,100,075     BULLDOG GRIP 5MM - Klemmen

4       89100073       89,100,073     THIMBLE 5MM SS - Klemmen

2       89100071       EYE BOLT 10MM - Augbolzen um die Seile auf dem Quadranten zu spannen

1       891 00 051        QUAD 254 260D B25.4 Quadrant 254 mm! - Quadrant

1       89100057       Aufbohren Quadranten auf Stockmaß und Feder - Arbeitsleistung für Q. Anpassung
Die Nummer für meinen Quadranten war am Ende: 89100978.
"SPKT" ist der Zahnkranz oben - wie gesagt - ggf. wären auch 13 Zähne OK.
Hier noch ein Zitat aus dem Mail-Verkehr zur Paßfeder:
For the quadrant with a bore of 50mm the recommended keyway size is 14mm x 9mm, the key depth that is to be cut in to the rudder stock is 5.5mm depth x14mm wide.
Based on this information the quadrant part number will be 89100978 QUAD 254 260D B50 K14 x 3.8

2. Bei Whitlock gab's eine Excel-Tabelle zum Rechnen, was man für einen Quadranten braucht. Ich habe aus der Tabelle Variante 1 genommen, den Quadranten dann aber statt 230mm auf 254 mm geändert. Damit ergeben sich dann ~1,8 Umdrehungen von hart nach hart. Aus meiner Sicht sehr passend...

3. Das Fräsen hat ca. 70,- gekostet - Zeichnung anbei.
Ein paar Bilder habe ich noch beigelegt, die die Teile zeigen.

4. Der Käfig hat bei mir ~100,- incl. Verzinken gekostet. Ich glaube, oben waren es 5mm, die Vierkanteisen 4mm.

5. Den Rollen-Block habe ich im Käfig mit Senkschrauben (M12) befestigt, diese einfach von oben eingesetzt, dann Mutter darunter, dann Rollenblock darauf - sollte man im Bild erkennen. Wichtig: die obere Platte muß plan sein, damit sie wieder auf dem alten GFK-Bett aufliegen kann. Die Streben nach hinten konnte ich einfach umdrehen - dann paßte die neue Breite.

Ein paar Bilder zu den Details gibt es hier.